40 - Der erfundene Ursprung – Yoga-Mythen zwischen Markt und Selbstfürsorge
Dr. Gunda Windmüller, Atorin und Yoga-Lehrerin
Yoga gilt als uralte indische Weisheit, deren Ursprünge 5000 Jahre alt sind. Eine Weisheit, die Körper, Geist und Seele verbindet und damit „innere Glückseligkeit“ und „Einheit mit dem Universum “ verspricht. Yoga ist, heißt es, kein Sport, sondern eine authentische spirituelle Praxis. Energiearbeit, Mantras und Sanskrit-Begriffe verstärken diesen Eindruck.
Leider Unsinn, sagt Dr. Gunda Windmüller, Kulturwissenschaftlerin und Yoga-Lehrerin. In ihrem Buch „Yoga – wie es wurde, was es ist“ stellt sie die These auf, dass das moderne Yoga, wie wir es kennen – vor allem als körperliche Praxis mit Posen, Atemtechniken und Entspannung –, kein jahrtausendealtes, unverändertes Erbe indischer Spiritualität ist, sondern ein relativ junges, globales Phänomen. Windmüller zeigt, wie Yoga durch westliche Einflüsse, Kolonialismus, Hollywood, Kommerzialisierung und neoliberale Selfcare-Logiken geprägt wurde – von Vivekananda über Indra Devi bis zu aktuellen Trends. So räumt sie mit dem Mythos auf, Yoga sei „5000 Jahre alt“ oder direkt aus Patanjalis Sutras abgeleitet und zeigt; wie die heutige Form erst im 20. Jahrhundert entstand.
Ein Gespräch über Yoga in persönlichen Krisen, den vor allem weiblichen Yoga-Erfolg, Körperideale im Yoga, die Ideologie der Achtsamkeit und den neoliberalen Fokus auf das eigene Selbst, den Mythos der uralten Yoga-Tradition und die spirituelle Selbstinszenierung in Yoga-Klassen.